Parodontose – Behandlung

Behandlungsziel

  • Vollständige Entfernung aller Verunreinigungen (Zahnbeläge) auf der Zahnoberfläche und in den Zahnfleischtaschen. Eine möglichst plaquefreie Mundhöhle durch eine entsprechende Mundhygiene. Schaffung einer Zahnfleischtaschentiefe von weniger als 3mm und Herstellung eines hygienefähigen Gebisszustandes.

Vorbehandlung

  • Eine perfekte Mundhygiene ist unverzichtbar für jegliche Therapie! Die meisten Zahnfleischerkrankungen verschwinden schon bei einer wiederholten gründlichen Reinigung des (sichtbaren) Zahnes. Leider ist ein großer Teil der Bevölkerung nicht zu einer guten Mundhygiene zu bewegen – eine eigentliche Behandlung ist in diesen Fällen sinnlos! So sind auch die statistischen Aussagen, dass ein Großteil der Zahnfleischerkrankungen unbehandelt bleibt, zu erklären: es liegt nicht an den ärztlichen Möglichkeiten, sondern an der Motivation der Patienten und – zusätzlich auch noch – längst überholten Behandlungsverträgen mit den Gesetzlichen Krankenkassen! Im Rahmen der Vorbehandlung wird neben einer intensiven Aufklärung über Mundhygiene und deren häusliche Anwendung auch versucht, im Mund dauerhafte optimale hygienische Verhältnisse zu schaffen: Beseitigung abstehender Kronen- und Brückenränder, Politur oder Erneuerung schlechter Füllungen, Behandlung der durch Karies angegriffenen Zähne, um alle möglichen Schlupfwinkel für Bakterien auszuräumen.

Erhaltungstherapie

  • Die Behandlung ist primär immer auf eine Entfernung der die Erkrankung verursachenden Keime ausgerichtet. Gerade die Konkremente – gleich, ob sie oberhalb (in Form von Zahnstein) oder unterhalb des Zahnfleisches liegen – bilden für die Biofilme der Bakterien einen idealen Nährboden: 36°C Mundtemperatur, ein feuchtes Milieu und Nährstoffe in Hülle und Fülle. Aus diesem Grund steht eine Entfernung dieser Ablagerungen an oberster Stelle. Bei Laien besteht häufig die Vorstellung, dass eine Behandlung von Zahnfleischerkrankungen eine umfangreiche, (schmerzhafte) Operation beinhaltet. Dies mag früher generell so gewesen sein, trifft aber heute dank andere Techniken und Materialien für viele Formen von Zahnfleischerkrankungen nicht mehr zu. Es zeichnet sich in den letzten Jahren ein Wandel ab Wurde früher fast ausschließlich „blutig“ (chirurgisch; „Aufschneiden“ des Zahnfleischs) behandelt, bewirken neue Behandlungsmethoden (minimal-invasive Therapie) und Instrumente (Scaling, Vector-Methode) – je nach Krankheitsbild und einer Zahnfleischtaschentiefe bis ca. 6mm – zunehmend eine Therapie, bei welcher das Zahnfleisch nicht mehr aufgeschnitten werden muss. Vielmehr werden die Verunreinigungen in der Tasche und an der Zahnwurzel über die Tasche selbst entfernt. Vorteile dieser Methode ist die raschere Heilung und die fast völlige Schmerzlosigkeit nach dem Eingriff. Man bezeichnet dieses Vorgehen als sog. ‚Erhaltungstherapie‘ im Rahmen einer systematischen Parodontalbehandlung. Die Behandlung selbst findet unter örtlicher Betäubung vorwiegend ambulant in einer Zahnarztpraxis oder Klinik statt. Zur Abdeckung des Operationsgebietes bei größeren Eingriffen werden meist sog. „Zahnfleischverbände“ angelegt. Da etwa 10-15% der Zahnfleischerkrankungen mit den konventionellen Methoden nicht zufriedenstellend behandelt werden können, weil sich in den Zahnfleischtaschen besonders widerstandsfähige Keime befinden und die Entzündung wieder aufleben lassen oder eine Grunderkrankung (z.B. Zuckerkrankheit) vorliegt, werden in diesen Fällen zusätzlich heute nach erneuter Taschenreinigung (s.o.) zunehmend spezielle Antibiotika (u.a. Clindamycin, Doxycyclin, Metronidazol, Tetrazycline) in die Zahnfleischtaschen eingebracht (z.B. Actisite-Fäden, Elyzol-Dentalgel, PerioChip, Aureomycin-Dentalpaste) oder/und allgemein (systemisch) verabreicht. Nachteil jeder „normalen“ (oralen) Einnahme von Antibiotika ist eine nur geringe Konzentration und damit Wirkung in den Zahnfleischtaschen; von den bekannten Nebenwirkungen -einer systemischen Antibiotikagabe (Allergien, Störungen der Darmflora) ganz zu schweigen. Eine andere Form der bakterienabtötenden oder zumindest bakterienverringernden lokalen Behandlung ist das Einbringen von Chlorhexidin-Präparaten in die erkrankte Zahnfleischtasche (Periochip). Vor einer Entscheidung, ob zusätzlich eine Antibiotika-Therapie angezeigt ist, empfiehlt sich ein Parodontitis-Risiko-Test (z.B. microDent®). Der Test, welcher auf einer molekularbiologischen Methode beruht, womit die Erbsubstanz best. Bakterien nachgewiesen wird, gibt Auskunft darüber, ob, welche und wie viele eine Parodontitis auslösende Keime (Markerkeime) sich in der Zahnfleischtasche befinden. So kann verlässlich entschieden werden, welches Antibiotikum gezielt eingesetzt werden sollte. Vorher muss auf jeden Fall die Tasche gründlich gesäubert werden, da die darin vorhandene Plaque durch ihre Biofilmstruktur nur schlecht für Medikamente zugänglich ist. Man erreicht mit den vorgehend beschriebenen Maßnahmen einen Stillstand der Erkrankung. Bereits verloren gegangene Teile des Zahnhalteapparates können nur unwesentlich zurückgewonnen werden. Weiterhin dienen diese Maßnahmen als Vorbehandlung für größere parodontal-chirurgische Eingriffe (sog. Zahnfleischoperationen). Sog. regenerative Verfahren (gesteuerter Geweberegeneration) haben dagegen als Ziel, durch aufwendige zusätzliche Maßnahmen wieder neuen Kieferknochen zu schaffen und bestehende Zahnfleischtaschen von ihrer Tiefe her auf ein Minimum zu reduzieren. Vom Prinzip her verwendet man dabei Membranen oder neuerdings auch regenerationsfördernde Substanzen („biologisch gesteuerte Regeneration“).

Nachsorge – für einen dauerhaften Erfolg

  • Nach Abschluss der Zahnfleischbehandlung ist eine regelmäßige Kontrolle der parodontalen Verhältnisse (Recall) zwingend nötig, um einem Nachlassen der Mundhygiene des Patienten vorzubeugen und wieder neu aufkeimende Erkrankungen frühzeitig zu behandeln bzw. eine prophylaktische Reinigung der Zahnfleischtaschen durchzuführen. Bei Nikotinabhängigen und Zuckerkranken sind die Abstände enger (etwa alle drei Monate) zu halten als bei unbelasteten Patienten, da diese ein 7- 15fach höheres Risiko eines Rückfalls besitzen. Gilt die Erkrankung als völlig ausgeheilt, können in einer zweiten Phase regenerative Maßnahmen (Knochen- u. Zahnfleischersatz) eingeleitet werden. Unabdingbar für den Langzeiterfolg einer Zahnfleischbehandlung – egal nach welcher Methode – ist die häusliche Zahnpflege und die Motivation zu einer zahngesunden Ernährung und Lebensweise.

Vor- und Nachteile einer „Zahnfleischbehandlung“

  • Die Zahnfleischerkrankung wird fürs Erste gestoppt; bei konsequenter Nachsorge kommt sie über viele Jahre zum Stillstand. Durch den langjährigen Erhalt der eigenen Zähne wird ein teurer Zahnersatz vermieden oder auf viele Jahre hinausgeschoben. Die häufig aus Erzählungen stammenden Schmerzen nach dem Eingriff – besonders bei den neuen Methoden – sind Ammenmärchen oder Stammtischprahlereien. Durch eine Narbenschrumpfung bedingt, zieht sich das Zahnfleisch etwas zurück: die Zähne erscheinen länger, die Zahnzwischenräume sind besser sichtbar, es können vorübergehende Sprachprobleme entstehen. Freiliegende Zahnhälse können in den ersten Wochen und Monaten empfindlich reagieren. Fast immer hat Ihre Zahnarztpraxis dieses Problem aber im Griff. Wie bei den künstlichen Zahnwurzeln (Implantaten) sichert nur eine exzellente Mundhygiene und eine fachlich versierte Nachsorge (Recall) den Langzeiterfolg.